Donnerstag, 4. Juli 2013

DAX im Vakuum - Wohin geht die Reise?

Bei der Beurteilung des Aktienmarktes nutzen wir verschiedene Faktorkomponenten. Neben kurzfristigen Eckpfeilern wie das erfolgreiche X5-System (abzurufen unter www.advisory-research.de) ist die strategische Anlage über die mittelfristigen Markt- und Einzelwertmodule ein gewichtiger Hinweis, die Richtung des Marktes zu bestimmen. Gerne beschäftigen wir uns mit dem konjunkturellen Fundament.

Derzeit befindet sich der DAX in einem Vakuum, eingekesselt von diversen Faktoren. Der größere Druck ist immer noch von der Bearishen Seite zu erkennen, sodass die Gefahr eines Bruchs des Vakuums nach unten besteht. Um jedoch nicht voreilig eine Richtung zu proklamieren, wollen wir nochmals einige Faktoren untersuchen.

DAX und 200-Tage Linie

Das X5-System ist ein sehr kurzfristiges Modell, hat jedoch eine erstaunliche Trefferquote. Das letzte Signal wurde bei 7952 Punkten mit einer Short Zyklusposition umgesetzt und bei 7785 Punkten realisiert. Wir nutzen es auch für das Intraday-Trading. Trotz der Erholung blieb das System am Mittwoch negativ und kann am Donnerstag sogar eine Trendwende anzeigen. Warum erzählen wir das?

Eine Änderung des kurzfristiges X5-Systems wirkt als Zahnrad oder Schnittstelle für die mittelfristigen Trends oder eventuell auf das obige Vakuum. Hält sich der Markt am Mittwoch und kann dieser sogar am Donnerstag noch zulegen, dann ist dieses Vakuum in Gefahr. Daher ist der kurzfristige Trend immer ein wichtiger und wissenswerter Baustein.

Eine unter diesen Umständen sehr wichtige mittelfristige Komponente ist das Frühlingsmodell. Die Grafik unten zeigt, dass der Markt nicht auskonsolidiert hat. Ein deutlicher Anstieg kann nur mit wichtigen fundamentalen Faktoren begründet werden. Ist dies aber mit den neu aufflammenden Problemen in Portugal und einer saisonal schwachen Börsenzeit möglich? Gesünder wäre es, wenn der DAX entweder im Vakuum verbleibt oder sogar nochmals in Richtung 7700 oder gar darunter fallen würde. Unterhalb der 200 Tage Linie wird allerdings die Verunsicherung stark zunehmen.

Frühlingsmodell
Eigene Grafik

Aus unserer Vogelperspektive würde allerdings unsere Verunsicherung zunehmen, sollte der DAX das Vakuum nach oben verlassen. In diesem Falle würden wir den Markt tendenziell technisch beurteilen, obwohl vorhin erwähnt vermutlich fundamentale Gründe die Bewegung auslösen würde. Eine Teillösung der gewünschten Allokationsgewichtung in Aktien ist dann vonnöten, welche bereits aber mit einem neuen Bullish-Signal des X5-System eingeschlagen würde.

Konjunkturell erwarten wir eine Erholung, wenngleich diese kaum das Potenzialwachstum der vergangenen Jahrzehnte erreicht. 

Fazit: Der Markt bleibt kurz- wie mittelfristig in der Abwärtsbewegung. Mit einer Änderung der Trendrichtung unseres kurzfristigen Systems ist ein Angriff auf die obere Begrenzung des Vakuums wahrscheinlich. Eine Adjustierung der Aktiengewichtung ist aus taktischen Gründen vorzuziehen, jedoch wäre der Markt kaum nachhaltig auskonsolidiert. Es bleibt wahrscheinlich in den nächsten 4-6 Wochen bei einer Hängepartie, die im engeren Sinne nach oben bei 8030 Punkten begrenzt ist. Ein Ausbruch über das Vakuum kann aber dieses Potenzial bis in den Bereich von 8350/8450 Punkten ausdehnen. Genügend für eine laue Sommerparty. 

Dienstag, 2. Juli 2013

Wissenswertes über DAX Zahnräder und Anleihen - Asset Allokation

DAX-Zahn(räder)

Wir hatten jüngst über die Verzahnung meines kurzfristigen Modells (1-7 Tag) mit den mittelfristigen Modellansätzen (ca. 3 Monate) gesprochen, welche in den letzten zwei Jahrzehnten meiner Tätigkeit als Analyst und Publikumsfondsmanager entstanden. Ich arbeite weniger gern mit der technischen Analyse, wobei ich mehr den statistischen Elementen, den Visionen und Werten zugetan bin.

Ein Visionär und Value-Mensch braucht genauso scharfe Zähne, wie jeder kräftige Tiger, um seine Beute zu reißen. Meine Visionen werden eingezäunt und gezähmt, aber auch aktiviert und geschärft, wenn ich mithilfe statistischer Werte Risiken bewerten will oder wenn ich ein günstiges Chance-Risikoverhältnis ermittle. 

Inmitten einer schwachen Börsenzeit gehen nun grob gesagt die kurzfristigen und mittelfristigen Modellansätze Hand in Hand. 

  • Asset Allokation: Hier arbeite ich gerne mit 3 Modellen. Ein altbewährtes Modell ist beispielsweise das FED-Modell. In Strukturkrisen funktioniert das Modell eingeschränkt, weil der Zins künstlich tief gehalten wird. Allerdings spüren wir es täglich auf unserem Konto: Es gibt keine Zinsen und trotzdem besitzt das FED Modell eine Aussagekraft. Das Modell wurde daher "strukturkrisenbedingt" adjustiert. Jedoch nicht in Form einer Optimierung - nein. Vielmehr ist nun erkennbar, wann der Markt aus der Strukturkrise entflieht. Derzeit ist keine Chance zu erkennen, dass dieses auch passiert.  Das FED Modell werde ich in den nächsten Wochen im Blog vorstellen. Die beiden anderen Modelle mit wöchentlichen und monatlichen Zeiteinheiten präferieren gegenüber der letzten Berechnung insgesamt wieder für ein höheres Gewicht in Anleihen vs. Aktien. Das monatlich basierende Allokationsmodell ist aber insgesamt neutral. Das wöchentliche Allokationsmodell beschreibt die Tatsache, entweder in Aktien oder in Renten  investiert zu sein. Dabei ist die Empfehlung auf Renten gewichtet.
  • Frühlingsmodell  bzw. das Marktstruktur-Modell: Dieses Modell ist seit Anfang Juni negativ für Aktien. Es gehört zu den mittelfristigen Ansätzen. In den letzten Tagen waren die Attacken des DAX wieder in eine Aufwärtsbewegung zu treten von Niederlagen geprägt. Bisher haben die Bären den Stab in der Hand. Hier verweise ich nochmals auf die letzten Berichte über die Frühlingsmodelle hier im Blog.
  • Kurzfristiges Modell: Das kurzfristige Modell signalisiert tendenziell eher eine Belastung für den DAX. Hier einige Auszüge aus meiner täglichen DAX-Prognose unter www.advisory-research.de 

"...Tagestrendprognose: Bearish - Schwellenwertmarke bei 8721 Punkten
Dienstag, 02. Juli 2013              www.advisory-research.de 
 ....Die Tagestrendprognose wird am Dienstag Bearish lauten. Die Schwellenwertmarke liegt bei 8721 Punkten, was generell als gutes Signal definiert werden kann.  
 Am Montag hatten wir nochmals ein starkes Aufbäumen gehabt, obwohl mit dem ersten Handelstag des Monats ein Druckpotential vorhanden war. Grund: Die meisten Allokationsmodelle der Institutionellen haben eine Reduzierung der Aktienquote vorgeschlagen. Die Bewegung ab Tagestief um 133 Punkte war erstaunlich, aber dennoch schloss der DAX knapp unterhalb der Schwelle. Die Aussage dabei? Diese ist einfach nur schwer definierbar.
 Set Up Zyklusposition: Die Short-ZP ist im Bestand. Wir werden ein weit entferntes Gewinnsicherungslimit platzieren. Dieses wird auf 7848 Punkten platziert.
 Set Up Intraday-Position: Idealerweise steigt der DAX nach Handelseröffnung an, um eine Short aufzubauen. Dabei werden wir ab 9 Uhr Xetra-Eröffnung einen Anstieg um 22 Punkte ebenso nutzen wie einen Anstieg ab Zwischentief um 25 Punkte..."

Die Tagestrendprognose wird täglich auf Basis einfacher DAX-Punkte dokumentiert. Statistisch werden für beide Positionsarten (Mehrtagessystem oder Zyklussystem genannt bzw. Intraday-Position) Musterdepots geführt. Lesen Sie einfach mal mit und entdecken Sie die neue Art den DAX zu beherrschen. 

Bei der Prognose zum Dienstag war zu beachten, dass die Schwelle als Triggerpunkt zwischen Bullish und Bearish mehr als 900 Punkte entfernt lag. Dies bedeutet in der Regel eine hohe Prognosequalität. 


Fazit: Die Mehrzahl der Indikationen aus dem Bereich des Risikomanagements und der Modellansätze zeigen keine Haussegefühle. Aus Sicht des Frühlingsmodells sollte es bis Anfang August keine nennenswerte Aufwärtsbewegung geben. Negativ gesehen, sogar ein gutes Abwärtspotenzial.

Montag, 1. Juli 2013

Indifferenzen am Aktienmarkt - Technische Schwäche oder fundamentale Gelegenheit?

Das Pendel des Pessimismus verläuft synchron mit der Kursbewegung. Die aktuellen Konjunkturzahlen übertreffen in einer Regelmäßigkeit die Erwartungen und mein Set an Indikationen hinsichtlich einer konjunkturellen Überraschung in den USA und Europa sind für das zweite Halbjahr überzeugend.

Das Frühlingsmodell (siehe den Beitrag Ende Juni) zeigt weiteren Konsolidierungsbedarf. Aber auf eine Aussage möchte ich unbedingt eingehen. Sie lautete:

"...Gewisse Phasen spiegeln sich jedoch in kürzeren Zeiteinheiten wider. Dies betrifft insbesondere fundamentale Faktoren als Auslöser für sehr starke oder schwache Bewegungen..."

Normalsequenzen eines Marktes im Sinne des Frühlingsmodells spielen zu 80% eine übliche Rolle und sind ziemlich genau in Kursbewegungen und Kurszielen definierbar. 20% der identifizierten Bewegungen gehören aber unter die Rubrik Sonderstatus.

Wie soll man aber eine "über den Erwartungen liegende Konjunktur" in die Sichtweise des Frühlingsmodells einbauen. Eine normalisierte Bewegung würde eine Konsolidierung bis Anfang August in Anspruch nehmen. Erst dann wäre der Markt gesund und hätte ausreichend "auskonsolidiert".

Wie definiert man einen Sonderstatus, wenn die Konjunktur deutlich überrascht aber die Wachstumsrate vielleicht das Potenzialwachstum der letzten Jahre nur annäherungsweise erreicht?

Der normale Marktreflex hat die 8000er Marke erreicht - Sie ist sogar ausbaufähig bis in den Bereich von 8080 Punkten. Über dieses Kursziel hinaus hätte der Markt das geschafft, was man im Kern als Stärke bezeichnen könnte und die technischen Köpfe vermutlich wieder positiver argumentieren lässt.

Mein kürzestes Modell (abzurufen unter www.advisory-research.de) hat bei 7741 Punkten einen kurzfristigen Kauf ausgesprochen.Das mittelfristig ausgerichtete Frühlingsmodell bleibt negativ ausgerichtet. Die Marktstruktur ist anfällig.

Voraussichtlich wird das kürzeste Modell als ein gutes und wirkungsvolles Prognoseinstrument ab Montag/Dienstag eine Bearishe Sequenz zum Börsenende anzeigen und so mit dem Frühlingsmodell wieder konform negativ gehen. Dieses Zahnradsystem hat sich bewährt. Aber die Marke um 8080/8100 bleibt wichtig und sollte nicht unbeachtet bleiben.

Die Kombination aus kurzfristigen und mittelfristigen Modellen lässt damit folgende Interpretation zu. Für die Zeit bis Anfang August sollte eine antizyklische und eine auf Indifferenz ausgerichtete Handlungsweise eine mögliche Erfolgsformel darstellen. Beispielhaft für eine Indifferenz wäre ein Rebalancing von gut gegangenen Werten wie Continental in abgestrafte Aktien (wie Lanxess). Diesen Rebalancing Prozess kann man auch Mean Reversion nennen. Die Frage ist eindeutig: Ist eine Underperformance von mehr als 40% bei Lanxess gegenüber Continental oder Bayer seit Januar gerechtfertigt? Sie beantworten diese Frage mit Handlungen selbst.


Charts: Market Maker; 

 
Oder eine Verwerfung zwischen DAX und Goldminen-Index? Mehr als 60% Performance-Differenz seit Anfang Oktober 2012! Perlen Fischen könnte eine Devise lauten.

Charts: Market Maker;

Fazit: Eine Rebalancing Aktion scheint mir in der jetzt gültigen Phase eine geeignete Methode, die Märkte mittelfristig zu schlagen. Viele Techniker werden dagegenhalten, man würde sich eine schwache Aktie kaufen. Aber viele erfolgreiche Kaufmannsleute würden dabei kontern "Im Einkauf liegt der Gewinn".